Bauweise

Erdställe unterscheiden sich in Größe und Gestalt erheblich voneinander. Angesichts der großen Variationsbreite ihrer Formgebung lassen sich kaum Aussagen machen, die auf alle Erdstallanlagen gleichermaßen zutreffen. Es gibt allerdings einige bauliche Merkmale, die mehr oder weniger häufig auftreten.

In der Regel sind Erdställe, speziellen Bergbautechniken und den Gesetzen der Statik folgend, mit Gangprofilen in Rund- oder Spitzbogenform aus dem anstehenden Gestein herausgearbeitet worden. Die Bearbeitungsspuren sind in vielen Anlagen noch gut erkennbar. Auf stabilisierende Abmauerungen oder Stützen haben die Erbauer größtenteils verzichtet.

In ihrem Verlauf können Erdstallgänge manchmal mehrfach die Richtung ändern, sich kreuzen, Stufenpassagen aufweisen, Rundgänge bilden oder sich zu Kammern erweitern. Dabei sind viele Gänge kaum mehr als schulterbreit und bieten somit nur einer Person gleichzeitig ausreichend Platz, sie zu passieren.

Zu den typischen Elementen der Erdstallarchitektur gehören horizontal oder vertikal angelegte Engstellen (sogenannte Schlupfe), die einzelne Gangabschnitte bzw. Räume oder sogar unterschiedliche Ebenen verbinden. Nicht selten weisen Schlupfe einen Durchmesser von weniger als 40 cm auf.

Oftmals findet man in den Erdstallwänden Nischen verschiedener Größe: Diejenigen unter ihnen, in denen sich theoretisch ein Mensch bequem niederlassen könnte, sind in der Vergangenheit gemeinhin als Sitznischen, kleinere Eintiefungen in den Wänden hingegen als Licht- oder Tastnischen interpretiert worden. Außerdem gibt es in manchen Erdstallgängen und -kammern entlang der Wände bankförmige Absätze.

Schließlich ist in einigen Erdstallanlagen ein senkrechter, zur Erdoberfläche führender Schacht anzutreffen. Diese Schächte, die beim Erdstallbau vermutlich zum Abtransport des ausgehobenen Bodenmaterials dienten, sind zumeist komplett verfüllt und untertage durch eine Trockenmauer verschlossen worden.

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