Tagung 2009

Erdstalltagung 2009 vom 18. bis 20. September 2009 im Kloster Strahlfeld

Vor 36 Jahren wurde der Arbeitskreis für Erdstallforschung gegründet. Ein Rückblick auf diese mehr als drei Jahrzehnte eröffnete die diesjährige Tagung. Durch Regine Glatthaar wurde dabei den Anwesenden vieles in Erinnerung gerufen, auch die Verdienste des verstorbenen „Gründervaters“ Karl Schwarzfischer wurden gewürdigt, der sich in besonderer Weise der Erforschung der unterirdischen Anlagen angenommen hat.

Bei der nachfolgenden Wahl wurde Dieter Ahlborn aus Aying bei München zum 1. Vorsitzenden gewählt, Andreas Mittermüller fungiert als 2. Vorsitzender. Am Samstag mussten nach dem gemeinsamen Frühstück viele Vorträge bewältigt werden. Edith Bednarik referierte über Erdställe in Niederösterreich. Mit ca. 350 befahrenen und vermessenen Anlagen ist sie außer Konkurrenz. Mit Spannung erwartet war der Vortrag von Dr. Heinrich Kusch: „Tore zur Unterwelt“. Viel Forschungsarbeit wurde geleistet und noch mehr steht an, bis alles das, was an Unglaublichem bis jetzt entdeckt oder gemutet wurde, zeitlich eingeordnet einer Kulturstufe zugewiesen werden kann.

Ob wohl die warme Herbstsonne immer wieder ins Freie lockte, versammelten sich die Erdstallforscher am Nachmittag zu den spannenden Vorträgen von Karl Wilhelm über „Heidnische Kulte im römischen Bayern“ und von Michael Läntzsch über „Erdställe und Aberglauben“.

Die Diskussion, die nach Josef Weichenbergers Vortrag: „Die Erdställe aus pragmatischer Sicht“ am Abend heftig aufkochte, kennen wir seit Jahren. Inzwischen sind alle Argumente über dieses Thema reichlich ausgetauscht, es ist vielleicht an der Zeit, einmal einen Punkt darunter zu setzten und einfach nur ganz normale Forschungsarbeit zu leisten.

Am frühen Sonntagmorgen startete die große Exkursion. Eine lange Autoschlange machte sich auf den Weg, auf einen Bus musste leider verzichtet werden, da die letzte Station Kellberg nahe Passau liegt und viele von dort aus bereits die Heimreise antraten.

Über die B 85 ging es zunächst nach Saldenburg, wo schon vor Jahren bei einem Hausumbau ein langer Felsengang entdeckt wurde. Das Ganze ist nicht leicht einzuordnen, kein richtiger Erdstall, kein richtiger Wassergang. Aber die Besitzer sind stolz auf das seltsame Bauwerk, das unversehrt erhalten werden kann. Gleich neben Saldenburg liegt Hundsruck. Da gibt es das schöne Gasthaus Klessinger, wo erst vor kurzer Zeit im Keller ein Gang entdeckt wurde, der sehr niedrig und sehr eng ist, mit vielen Nischen und Abzweigungen. Die Erdstallforscher wollten natürlich beides: Gangbefahrung und gutes Essen.

Von Saldenburg ging es weiter über viele gewundene Straßen nach Kleinwiesen, einem Ort südlich von Freyung in der Gemeinde Röhrenbach. Dort wurde 1998 beim Kanalbau ein Erdstall angeschnitten und es ist der Gemeinde hoch anzurechnen, dass man den Weiterbau des Kanals gestoppt hat, bis eine ordentliche Vermessung durchgeführt worden ist. Ein Teil des Gangsystems musste allerdings geopfert werden, doch die Gemeinde hat zwei Schächte gesetzt, die den Zugang weiter ermöglichen, damit dieses alte Baudenkmal erhalten und für weitere Forschungen zugänglich bleibt. Am späten Nachmittag setzte sich dann der Autokonvoi auf der B 12 Richtung Passau nach Kellberg in Bewegung. Dort befindet sich im Keller eines alten Anwesens ein wunderschöner Erdstallgang, der immer schon bekannt war, aber wenig beachtet wurde. Der Heimatpfleger Manfred Stolper hat ihn jetzt vermessen und Scherben geborgen. Aber der Gang wird ihn nochlänger beschäftigen, denn der hintere Teil steht so voller Wasser, dass er noch nicht vermessen werden konnte und seine letzten Geheimnisse noch nicht preisgegeben hat. Im Gasthaus gegenüber konnte sich die Gruppe von der anstrengenden Tour entspannen und bei Bier und Kaffee, je nach Gusto, erholen, bevor sich alle auf die weite Heimreise machten. Leider hieß es dann nicht wie schon so oft: „Nächstes Jahr in Strahlfeld!“, denn 2010 findet die Tagung in Raabs an der Thaya im Waldviertel in Österreich statt.