Tagung 2013

Tagung des Arbeitskreises für Erdstallforschung vom 27.-29. September 2013 im Kloster Strahlfeld bei Roding

Werner Breuherr

Wie bereits im Vorjahr fand die internationale Erdstalltagung 2013 im Kloster Strahlfeld in Roding statt. Eigentlich war es das 40. Jubiläum des Arbeitskreises, der Ende 1973 gegründet wurde. Mit knapp 40 Teilnehmern fanden sich diesmal jedoch weniger ein als in den letzten Jahren, teilweise bedingt durch den Wegfall von Fahrgemeinschaften.

Nach einer schwungvollen Begrüßung von Dieter Ahlborn ging es nahtlos zur Tagesordnung über. Es folgte ein kurzer Bericht von Kassenwart Werner Breuherr. Er gab uns einen Überblick über die finanzielle Seite des Arbeitskreisen. Bedauerlicherweise war das Jahr, vermutlich wegen der Preiserhöhung, von vermehrten Austritten geprägt. Die um 14 reduzierte Mitgliederzahl wurde jedoch durch die Mehreinahmen mehr als kompensiert.

Als nächster Punkt stand die Wahl des zweiten Vorsitzenden und des Schriftführers an. Da sich sonst niemand berufen fühlte den zweiten Vorsitz zu übernehmen, erklärte sich Birgit Symader dazu bereit. Als Regionalleiterin der Oberpfalz war sie im Vorstand bereits vertreten und hatte mit ihrem neu gegründeten Stammtisch auch wieder Bewegung in die Oberpfälzer gebracht. Das Amt des Schriftführers schien für niemanden attraktiv genug um es zu übernehmen. Keiner erklärte sich bereit, somit konnte auch keiner gewählt werden. Schade eigentlich. So übernahm unser Kassenwart das Amt kommissarisch für ein Jahr. Als Abschluss des informellen Teiles stand noch der Austragungsort für die nächste Tagung an. Unser allseits geschätzter Josef Weichenberger erklärte sich bereit uns 2014 seine Erdställe in Oberösterreich näher zu bringen. Wir bekamen bereits die ersten Informationen zum Veranstaltungsort und einigen Exkursionen präsentiert, somit konnten wir uns schon jetzt darauf freuen.

Der restliche Abend war noch nicht verplant und bot somit Raum für spontane Beiträge unserer Mitglieder. Franz Lindenmayr, einer unserer eifrigsten Höhlenfotographen, zeigte spontan Bilder von der letzten SFES Tagung in Villeneuve-sur-Lot. Viele Bilder hatte uns auch noch Thomas Stiebel über die Stollenanlagen in Bayreuth zu zeigen. In seinen exakten Ausführungen vermittelte er uns einen guten Überblick über die Ausmaße der Stollenanlage die er seit einigen Jahren mit bearbeitet. Der krönenden Abschluss fand, wie immer, im Klosterstüberl statt. Der harte Kern vertiefte sich in heiße Diskussionen und Flaschen von Wein.

Der Samstag beginnt mit einer Laudatio auf Regine Glatthaar anlässlich der Verleihung der Bundesverdienstmedaille für ihre herausragende Arbeit in der Erdstallforschung. Unserer Vorsitzender Dieter holte seine sich sträubende Vorgängerin nach vorne auf den Ehrenplatz um 20 Jahre ihres Wirkens Revue passieren zu lassen. Als sie 1968 nach Roding kam und Karl Schwarzfischer begegnet ließen sie die Erställe nicht mehr los. Sie gehört zu den ersten aktiven Mitgliedern, als 1973 der AK gegründet wird. 1977 wird sie 2. Vorsitzende, 1990 die erste Vorsitzende nach Karl Schwarzfischer. Dieses Amt hatte sie bis 2009 inne. Ihr Motto war frei nach Carleton: „Meiner Meinung nach ist das Ausgraben von Höhlen der höchste Zeitvertreib“. Zum Abschluss gewärte uns Regine noch den lang ersehnten Blick auf das wertvolle Stück.

Der erste Vortrag des Tages kam von Josef Weichenberger mit dem Thema „unterirdische Gäge in Burgen – eine Spurensuche“. Die Frage die sich Josef stellte: Was ist dran an den Sagen der unterirdischen Gänge unter Burgen ? Dabei durchleuchtete er die verschiedenen Gangarten und ihren Zweck sehr genau. So gibt es Kommunikationsgänge zu vorgelagerten Kasematten, Angriffs- und (seltener) Fluchtstollen, Minier- und Gegenminierstollen zum Sprengen, Brunnenstollen und Abwasserkanäle sowie Bergbaustollen in Burgnähe. Erdställe gibt es nur unter den Frühformen der Burgen, Holzhäusern auf einem Hausberg. Fazit von Josef Weichenberger war: Die Sagen sind mit Vorsicht zu betrachten und in der Regel falsch. Fluchtgänge sind selten, da die Burg eine Zufluchtstätte war, die nicht aufgegeben wurde.

Der zweite Vortrag kam von Uwe Hinzpeter zum ähnlichen Thema Brunnenstollen im südlichen Odenwald. Dabei handelt es sich um Stollen, die quer vom unteren Bereich eines Brunnenschachtes abzweigen und ihren Ausgang außerhalb der Burg haben. Sie könnten mit dem hohen Wasserverbrauch der Burgen zu tun gehabt haben, täglich 5 Liter je Bewohner und bis zu 50 Liter je Kuh oder Pferd. Die Feste Dilsberg, Alt-Schadeck und Windeck ähneln sich auf den ersten Blick in der Bauweise sehr, aber die unterschiedlichen Richtungen der Stollengefälle lassen keine einheitliche Erklärung zu. Anlass für Sagen um Geheimgänge könnten jedoch auch sie sein.

Am Nachmittag gings ab zur Exkursion. Vier Ziele hatten wir vor uns und da hieß es einen straffen Zeitplan einzuhalten. Die erste Anlaufstelle war der Erdstall Altnussberg. Unter amtlicher Aufsicht des Bügermeisters fuhren wir auf den Hof. Der Erdstall ist seit dem Jahre 1879 bekannt und hat eine überaus schöne große Abschlusskammer. Weiter zum Stollen Kammersdorf: Der 40m lange, fast kerzengerade in N/S Richtung verlaufende Gang ist sauber aus dem Gestein herausgearbeitet. Die Meinungen gingen hier einmal nicht auseinander, alle waren sich einig das wir hier einen Wassergang vor uns haben. Unser nächstes Ziel, der Stollen in Stein bei Börach regte uns dann doch wieder zum Diskutieren an. Viele meinten ein Prospektionsstollen, oder doch ein Erdstall ?? In Zinkenried gab es keine Diskussion, typischer geht nicht. Fred Baierl ging Hinweisen von Karl Schwarzfischer aus dem Erdstallheft Nr. 7 nach und wurde 2009 fündig. Der Erdstall ist noch im unbearbeiteten Zustand, die Enge der Schlupfe macht dem einen oder anderen schon Probleme. Aber jeder wurde durch die schöe Abschlusskammer für die Mühe belohnt.

Am Abend hatte Dieter für uns Erdstall Fernsehbeiträge ab 1978 zusammengestellt. Entspannt konnten wir Regine in ihrem geliebten blauen Anorak bewundern und dabei wurde dem einen oder anderen bewusst, dass wir der Lösung des Erdstallrätsels nicht sonderlich näher gekommen sind. Auch an diesem Abend fanden sich viele im Klosterstüerl ein und ließen den Abend am frühen Morgen ausklingen. Mit etwas gemäßgtem Elan ging es dann am Sonntagmorgen mit Vorträgen weiter. Nikolaus Arndt stellte uns Herrn Schüsler von der FH in Würzburg / Schweinfurt vor, der uns die Anwendungen der 3D Vermessung mit einem Laserscanner in einem sachlichen Vortrag vorstellte. Diese Technik ware für uns zukünftig eine feine Sache für die Dokumentation, ist derzeit aber noch nicht bezahlbar. Herr Schüssler wird aber im Rahmen seiner Facharbeit einen Erdstall scannen und wir sind jetzt schon auf seine Ergebnisse gespannt. Als nächstes stellte uns Nikolaus seine Methoden zur Suche nach Erdställen vor. Ausgangspunkt für seine Forschungen waren die 5000 handgeschriebenen Seiten von Josef Pamler, Priester aus Aidenbach, aus dem Jahre 1856. Er folgte diesen Spuren und wurde in Bergham, Gemeinde Beutelbach, im Keller eines Nebengebäudes fündig. Nach Freilegung des verschütteten Eingangs kam ein Erdstallfragment zu Tage das bis zum ersten Schluf noch begehbar ist. Für weitere Forschungen warden derzeit Genehmigungen eingeholt. Auch in Karling wird ein Gang erwänt der unter den Grundmauern der nicht mehr vorhandenen Kirche verlief. Trotz Airbone Laseraufnahme des Gelädes konnte dieser noch nicht lokalisiert werden. Auch weitere Untersuchungen mit dem Georadar haben keine Ergebnisse erbracht. Als nächstes soll mit einer Rammsonde für Dichtemessung das Gelände nach Hohlräumen abgesucht werden.

Last, but not least, wieder Franz Lindenmayr. Eine Überschrift der Augsburger Allgemeinen brachte Franz auf die Idee zu diesem Vortrag: „as Labyrinth ist ein Symbol der Menschheit“. Er entwickelte dabei keine Theorie und wollte niemanden von etwas üerzeugen, sondern sinnierte vielmehr über die Symbolik des Labyrinths, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Erdstall und zitierte Vergleiche der beiden in der Literatur. Wärend der Pause des letzten Vortrages besuchte uns noch ein Vertreter der lokalen Presse, der dann einen ausführlichen Bericht in der Mittelbayerischen Zeitung veröffentlichte. Den Abschluss der gelungenen Tagung bildet das Mittagessen vor der Heimreise.