Zweckbestimmung

Unser heutiger Wissensstand reicht nicht aus, um die ursprüngliche Funktion der Erdställe zu entschlüsseln.

Anders als bei vielen anderen  unterirdischen Anlagen wie Brunnen, Verbindungsgängen, Kulträumen, Kellern oder Bergbaustollen lässt sich bei Erdställen aus ihrer Konstruktionsweise keine eindeutige Zweckbestimmung ableiten.

Trotz des Mangels an wissenschaftlich tragfähigen Ergebnissen fordern diese rätselhaften Anlagen doch viele Forscher zu Deutungsversuchen  heraus. Die dabei im Laufe der Zeit entwickelten Thesen lassen sich generell zwei verschiedenen Grundannahmen zuordnen: Die einen gehen davon aus, dass Erdställe als Zweckbauten angelegt wurden, also beispielsweise als Zufluchtsstätten, Verstecke oder Vorratsräume dereinst einer profanen Nutzung dienten.

Andere Theorien nehmen hingegen an, dass diese unterirdischen Bauwerken als Kultstätten oder Sakralbauten im Zusammenhang mit vorchristlichen Ritualen oder aber hochmittelalterlichen Jenseitsvorstellungen geschaffen worden sind.

Solange jedoch keine ausreichenden archäologischen Befunde oder schriftliche Belege vorliegen, wird sich die Frage der Zweckbestimmung von Erdstallanlagen nicht beantworten lassen. Umso schmerzlicher ist die Tatsache, dass viele dieser unterirdischen Gangsysteme in den letzten Jahrzehnten bei Baumaßnahmen zerstört wurden und damit zahllose wichtige Informationen für immer verloren gegangen sind.